„The Americans I Met“
Am 11. September 2025 lud das AmerikaHaus NRW zu einem Gesprächsabend mit dem Fotojournalisten und Autor Viktor Hübner in das Alte Pfandhaus in Köln ein. Aufhänger für die Veranstaltung war Hübners Bildband The Americans I Met, in dem er Menschen porträtiert, denen er auf Reisen durch 41 der 50 US-Bundesstaaten begegnet ist. Ohne feste Route und lediglich mit Kamera, Tonaufnahmegerät und wenigen Vorräten ausgestattet, reiste Hübner zwischen 2017 und 2019 per Anhalter sowohl durch urbane als auch ländliche Regionen der USA. Dabei vertraute er fast ausschließlich auf die Gastfreundschaft fremder Menschen; nur im Ausnahmefall zahlte er für Unterkünfte. Ziel seiner Arbeit war es, persönliche Geschichten und individuelle Lebensrealitäten während der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump sichtbar zu machen. Moderiert wurde der Abend von Martina Buttler, Journalistin beim WDR.
Angesichts des besonderen Datums – nämlich dem 24. Jahrestag der 9/11 Terroranschläge – eröffnete Buttler die Veranstaltung mit der Bitte an das Publikum, persönliche Erinnerungen an dieses einschneidende Ereignis zu teilen, was mehrere Gäste taten. Daran anknüpfend berichtete Hübner, dass ihm während seiner Reise eine Gesprächspartnerin gesagt habe, die Anschläge hätten die amerikanische Gesellschaft einst stark zusammengeschweißt, von diesem Zusammenhalt sei jedoch inzwischen nur noch wenig spürbar. Auf den insgesamt rund 26.000 Kilometern, die er durch die USA zurückgelegt habe, sei ihm zunehmend bewusst geworden, dass es sich um ein „Land der Ängste“ handle. Bei der Bitte um eine Übernachtungsmöglichkeit seien ihm immer wieder Skepsis und Ablehnung entgegengeschlagen. Gleichzeitig jedoch hätten ihm viele Menschen äußerst persönliche und intime Geschichten anvertraut.
Anhand ausgewählter Fotografien zeichnete Hübner ein vielschichtiges und nahbares Bild der Amerikanerinnen und Amerikaner, das bewusst über politische Zuschreibungen hinausging. Er betonte, dass die porträtierten Menschen weit unterschiedlicher seien als die mediale Fokussierung auf den Präsidenten es vermuten lasse und dass insbesondere in ländlichen Regionen alltägliche Sorgen und soziale Herausforderungen häufig so dominant seien, dass politische Fragen in den Hintergrund rückten. Dennoch habe er den Eindruck gewonnen, dass die gesellschaftliche Spaltung in den USA während der ersten Amtszeit von Präsident Trump deutlich zugenommen habe.
In der anschließenden Diskussion mit den zahlreich erschienenen Gästen wurde deutlich, dass es trotz politischer Spannungen zwischen Deutschland und den USA ein ausgeprägtes Bedürfnis nach besserem Verständnis und einem weiterhin respektvollen und freundschaftlichen Austausch zwischen den Gesellschaften beider Länder gibt. Das Publikum zeigte großes Interesse an Hübners Erfahrungen und stellte unter anderem Fragen zu seinen Arbeitsmethoden, seinen Beweggründen für die Reise und der Rezeption seiner Bilder gerade auch in den USA. Viele zeigten sich bewegt von dem ungewöhnlichen Zugang zu verschiedenen sozialen und ethnischen Gruppen, den die Fotos geben, und den tiefen Einblicken in persönliche Herausforderungen, Hoffnungen und Sichtweisen der portraitierten Amerikanerinnen und Amerikaner.
Wir bedanken uns herzlich bei Viktor Hübner und Martina Buttler für den eindrucksvollen Gesprächsabend sowie bei der Landesregierung Nordrhein-Westfalen für die Förderung der Veranstaltung.
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