Parag Khanna: Deutschland, ist meine Herzensangelegenheit

10.11.2009

JB: Aus Ihrem Werdegang geht hervor, dass Sie schon viel Zeit in Deutschland verbracht haben und außerdem fließend deutsch sprechen. Erzählen Sie uns doch etwas darüber.

Parag Khanna: In den letzten zwanzig Jahren habe ich immer wieder in Deutschland gelebt. Seit meinem ersten Deutschland-Besuch, ist dieses Land eine Herzensangelegenheit für mich.

Mein Vater kam in den 60er Jahren als Student aus Indien nach Deutschland. Kurz nach dem Fall der Mauer nahm er meine Mutter, meinen Bruder und mich mit auf eine Reise dorthin. Er meinte, dass müssten wir gesehen haben, da er zu seiner Zeit in Deutschland häufig in Ost- und in Westberlin war. Für mich war die Berliner Mauer die erste prägende geopolitische Erfahrung. Einige Jahre später kam ich als Austauschschüler nach Flensburg. Während meiner Studienzeit, 1997/98, verbrachte ich ebenso ein Jahr in Deutschland – an der Freien Universität Berlin. Später dann, als ich in Genf für das Weltwirtschaftsforum arbeitete, kam ich ebenfalls regelmäßig nach Deutschland. Zudem bin ich immer wenn sich die Möglichkeit ergab, nach Deutschland gereist, zum Beispiel zu Treffen der American Academy in Berlin, aber auch privat. Deutschland ist zu meiner zweiten Heimat geworden.

JB: Ihr akademisches Interesse an Deutschland liegt auf der Hand. Aber ich denke, ich liege richtig in der Annahme, dass Sie sich auch für die deutsche Kultur interessieren?

Parag Khanna: Dass ich deutsch spreche, kam mir vor allem im Philosophiestudium zu Gute. Wenn man sich auch nur ansatzweise mit der Philosophie beschäftigen möchte, gibt es an zwei Sprachen kein Vorbeikommen – und dass sind griechisch und/oder deutsch. Natürlich ist das nicht jedem bewusst, aber wenn man sich ernsthaft damit auseinandersetzt, stellt man fest, was für eine wichtige Rolle die deutschen Philosophen in der Philosophie spielen. Das gilt übrigens ebenso für die Literatur. An der Uni habe ich einige Literatur aus dem 18. und 19. Jahrhundert gelesen. Für mich sind Kultur und Geschichte eines Landes untrennbar miteinander verbunden. Auch aus meiner Sicht als Politikwissenschaftler hängen die deutsche Kultur und ihre Werte eindeutig mit ihrer Geschichte zusammen. An Deutschland fasziniert mich zum Beispiel die Rolle, die das geteilte Deutschland bei der Beendigung des Kalten Krieges gespielt hat. Und dann all diese fantastischen Museen und Zeitzeichen, die es in Deutschland gibt. Mein Lieblingsmuseum ist das am Checkpoint Charlie – lebendige Geschichte und ein Symbol für alles, was die Nachkriegsdeutschen in der Zeit bis 1989 alles durchgemacht haben.

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