15.02.2011 · Münster · Rathaus
Vortrag & Gespräch
»The State of the Union: Die zweite Hälfte der Obama-Präsidentschaft«
mit Karsten Voigt, langjähriger Koordinator für die transatlantischen Beziehung im Auswärtigen Amt, im Gespräch mit Dr. Claudia Kramer-Santel, Redakteurin Außenpolitik, Westfälische Nachrichten.
Dass Deutschland in der Rede zur Lage der Nation keine Beachtung gefunden hat, schreibt Karsten Voigt nur teilweise der schwierigen Wirtschaftslage, die den USA die höchste Arbeitslosenquote in der Geschichte des Landes bescherte, zu. Vor allem sei dies Ausdruck der asymmetrischen Beziehung zwischen den beiden Ländern. „Die Amerikaner sind für uns wichtiger als wir für sie“, betonte der ehemalige Koordinator für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit der Bundesregierung.
Zwar könnten die USA in den Punkten Gesundheits- und Klimapolitik viel von Deutschland lernen, jedoch spielten gerade diese beiden Themenbereiche in den folgenden zwei Jahren für Präsident Obama aufgrund der veränderten Machtverhältnisse im Kongress nicht mehr die übergeordnete Rolle. In außen- und sicherheitspolitischen Fragen sähen die Amerikaner Deutschland mehr in der Verantwortung, doch die Deutschen hielten sich nach wie vor bedeckt. Die Amerikaner seien im Begriff, ihre Rolle in der Welt neu zu definieren. Dabei sind sie auf die Unterstützung der Europäer angewiesen, wie auch weiterhin in der Krisenregion Afghanistan.
Karsten Voigt betonte, dass die Amerikaner auch in Zukunft wichtig für Deutschland bleiben. Er fordert daher eine aktivere Rolle Deutschlands in der Gestaltung der transatlantischen Beziehungen. Gerade der Politiker-Nachwuchs in Deutschland neige dazu, den USA weniger Aufmerksamkeit zu schenken, als das notwendig ist. Im Gespräch mit Dr. Claudia Kramer-Santel von den Westfälischen Nachrichten betonte er, dass das Verhältnis ausgesprochen gut sei und sich auch nicht durch temporäre Irritationen wie der Veröffentlichung der Wikileaks-Dokumente geändert hätte. Damit dies aber auch in Zukunft so bleibe, müsse Deutschland weiterhin eine enge Beziehung pflegen.
Fotos: Matthias Ahlke, Westfälische Nachrichten
In Kooperation mit der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Münster e.V. und den Westfälischen Nachrichten.
»Lesen Sie hier einen Zeitungsbericht zur Veranstaltung aus dem Tageblatt für den Kreis Steinfurt«

