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15.06.2009 · Haus der Geschichte · Bonn

»The Godfather Doctrine«

Vortrag und Diskussion

»The Godfather Doctrine« What a Movie tells us about American Foreign Policy Today

Es begrüßten Jeane Freifrau von Oppenheim, Vorstandsvorsitzende des Amerika Haus e.V. NRW und Dr. Dietmar Preißler, Leiter Sammlungen des Haus der Geschichte. Das Schlusswort sprach Peter Jungen, stellvertretender Vorsitzender des Amerika Haus e.V. NRW.

 

 

John Hulsman und Wess Mitchell präsentierten Thesen aus ihrem Buch The Godfather Doctrine.

tl_files/articles/programm/veranstaltungen/2009/06-15-doctrineweb.jpgDas Buch ist einem aus amerikanischer Sicht ernsten Thema gewidmet: dem Verlust der alleinigen Vormachtsstellung der USA in  der Welt. Umso überaschender ist der Ansatz der beiden Politik-Experten: In einem Vortrag gespickt mit Szenen aus dem Film The Godfather zeigten sie auf, wie sich aus dem Mafia-Epos von Francis Ford Coppola Lösungen für das Überleben der Vereinigten Staaten im 21. Jahrhundert ableiten lassen: Schon in der ersten Szene, die die Redner an diesem Abend vorführten, wird klar, worum es in der Weltpolitik geht: die Gewichtung von Macht. Der Pate, unverwechselbar gespielt von Marlon Brando, ist der einzige im Raum, der darüber bestimmt, wer vortreten und reden darf und wer nicht. Wir befinden uns in einer Zeit, in der sich das internationale Machtgefüge unipolar gestaltet. Der Don ist Sinnbild für die USA kurz nach dem Ende des kalten Krieges: Es gibt keinen ernstzunehmenden Gegenspieler. Dies bleibt solange so, bis das unfassliche geschieht: In der zweiten von den Rednern vorbereiteten Szene wird Don Corleone am helllichten Tag Opfer eines Mordanschlags. Der führende Kopf von New Yorks einflussreichstem Verbrecherkartell überlebt zwar knapp, um die Geschäfte kann er sich aber nicht mehr kümmern.

tl_files/articles/programm/veranstaltungen/2009/06-15-hulsmanmitchellweb3.jpgWas für die Gangsterfamilie der Anschlag auf den Patriarchen, ist 09/11 für die Welt: Plötzlich ist die alleinige Vorherrschaft der Corleone-Familie bzw. der USA in Frage gestellt. Die ehemals Verbündeten sind verunsichert. Lohnt es sich noch, dem Don die Treue zu halten? Seine Söhne Sonny und Michael sowie Adoptivsohn  und Consiglieri Tom Hagen versuchen die angeschlagene familia wieder auf Kurs zu bringen. Der Übergang in eine neue Zeit steht bevor. Die Welt ist nun nicht mehr unipolar sondern multipolar strukturiert. Die Feinde der Vereinigten Staaten agieren global, ihnen ist mit den gewohnten Mitteln nicht mehr beizukommen. Die möglichen Erben des Dons stehen für die drei großen Schulen der aktuellen amerikanischen Außenpolitik.

tl_files/articles/programm/veranstaltungen/2009/06-15-hulsmanmitchellweb4.jpgTom, Verfechter eines Mitte-links-Institutionalismus, glaubt noch an den Bestand der alten Ordnung und vertraut auf die Kunst der Diplomatie. Sonny verkörpert den Neo-Konservati-vismus der Ära Bush: erst schießen, dann fragen. Auf diese Weise wird er zu einem leichten Ziel für seine Gegner. Michael ist der Realist der Familie. Er weiß, dass die Balance zwischen Druck und Zugeständnissen der Schlüssel ist, das Überleben der Familie in den gefahrvollen Zeiten des Wandels zu sichern. Hulsman und Mitchell attestieren allen drei Denkrichtungen, den neuen Realitäten nicht genügend Rechnung zu tragen. Sie alle entwickeln ihre Strategien ausgehend von der natürlichen aber fatalen Überzeugung, die alte Ordnung wieder herstellen zu können bzw. daran anknüpfen zu können. Im Zentrum des politischen Richtungsdiskurs müsse jedoch, so betonen Hulsman udn Mitchell an diesem Abend immer wieder, die Erkenntnis stehen, dass sich die internationalen Konstellationen in ständiger Bewegung befinden und nur ein gesunder Pragmatismus die erfolgversprechende Antwort darauf sein könne.

tl_files/articles/programm/veranstaltungen/2009/06-15-hulsmanmitchellweb5.jpgDer intellektuell hochwertigen und leidenschaftlich vorgetragenen Präsentation schloss sich eine Diskussionsrunde an, in der das Publikum nachhakte und Fragen zur aktuellen politischen Situation stellten. In informeller Atmosphäre fand anschließend ein Empfang mit Getränken und Snacks statt, in dessen Rahmen viele Gäste sich die frisch erworbene Godfather-Doctrine von den Autoren signieren ließen.

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