29.09.2008 · Köln · IHK
Otto Wolff Lecture
„Standing at the Turning Point of History: An Outlook on the American Presidential Election"
Zum Auftakt der diesjährigen Veranstaltungssaison konnte das Amerika Haus NRW in Kooperation mit der Otto-Wolff-Stiftung und der Industrie- und Handelskammer zu Köln einen Experten gewinnen, der wie nur Wenige Einblicke in die aktuellen Entwicklungen transatlantischer Beziehungen hat. Mit einer Mischung aus Charme, Fakten und Analyse präsentierte Dr. John C. Hulsman, Außenpolitikexperte und Alfred-von-Oppenheim Scholar der DGAP, seine Sicht des „Turning Point of History: An Outlook on the American Presidential Election". Dabei ging es Dr. Hulsman - ganz im Sinne des Slogans der US-Wahlen - um change, den er allerdings noch mit den Worten „Mr. Bush, things are not okay!" zuspitzte.
Die US-Regierung müsse sich endlich eingestehen, dass sich die Machtgefüge der Nachkriegszeit radikal verändert haben. Es sei die moralische Verpflichtung aller, die multipolare Welt an einen Verhandlungstisch zu bringen und dabei dürfe es keine Ausnahmen geben! Eine globale Regierung würde gebraucht, die den Dialog zwischen Ost und West, zwischen nicht-demokratischen und demokratischen Staaten sucht und fordert, so Hulsman. Denn allein auf euro-atlantischen Beziehungen könne die Welt nicht fußen. „We must unite to solve!"
In diesem Sinne sei es also dringend notwendig, aufstrebende Mächte wie China in die G8 aufzunehmen, denn mehr denn je ginge es um Kooperation statt althergebrachter Dominanz eines rein US-Europäischen Systems.Als Beispiel für den richtigen Kit, der Nationen zusammenhält, führte Dr. Hulsman die langjährige erfolgreiche deutsch-amerikanische Freundschaft an. Es sei der human touch, der Brücken baut, der den Grundstein legt für konstruktive und offenere Gespräche. Und genau hier sieht Dr. Hulsman Barack Obama im Rennen um das Amt des amerikanischen Präsidenten klar im Vorteil. Ein anderer Aspekt und möglicherweise wahlentscheidend für Obama, sei die aktuelle Krise der Republikaner. Traditional republikanisch gefärbte Staaten, wie z.B. Virginia, würden aktuellen Umfragen zufolge, ihr Stimme für die Demokraten abgeben. Im Falle einer Wahlniederlage McCains ist es für die krisengeschüttelten Republikaner also unabdingbar, ihre politische Agenda neu zu definieren. Es brauche, so Hulsman, „a revolt of the Republicans".
Auf die Frage, wie das System wieder auf Erfolgskurs gebracht werden könne, zeigte sich John Hulsman als American romantic: Die USA habe einen „in-built historical dynamism, a record of survival. We survived Vietnam, McCarthyism. We even beat the British!", so Hulsman optimistisch. In den größten Krisen zauberten sie Männer wie Kennedy oder Truman hervor. Und so werde es auch dieses Mal sein.
Insgesamt sieht John Hulsman Obama als den dynamischeren und moderneren Kandidat an der Spitze. Herausforderungen wie das Post-Kyoto-Protokoll, die weltweite Finanzkrise, die Brennpunkte Iran, Afghanistan und Georgien, sowie der Welthandel seien für Obama eher zu bewältigen. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob er das Credo seiner Wahlkampagne auch als Präsident aufrechterhalten kann. Interessanter als die bisherigen Debatten der beiden Präsidentschaftskandidaten sei allerdings der Zweikampf der beiden Vize-Anwärter, Joe Biden und Sarah Palin. Biden wird zeigen müssen, dass er der diszipliniertere Kandidat ist. Er wird auf geschickte Weise ihre Unerfahrenheit bloßstellen müssen, ohne mit erhobenem Finger auf ihre Wissensdefizite hinzuweisen. Laut Hulsman sei es ein unverzeihlicher Fehler seitens McCains gewesen, Palin als Vize vorzuschlagen, da ihre Person McCains eigenes Schlüsselargument - Obama sei viel zu jung und unerfahren - vollständig zunichte macht. Es bleibt abzuwarten, was die nächsten Wochen bringen werden. Sicher ist allerdings, dass die Wahldebatten noch für einigen Zündstoff sorgen und es bis zum Ausgang der Wahlen spannend bleibt.
In Kooperation mit der Otto Wolf-Stiftung und Industrie- und Handelskammer zu Köln

