27.01.2009 · Köln · Rotonda Business Club
Buchpräsentation & Diskussion
"Outliers. The Story of Success"
"Outlier" is a scientific term to describe things or phenomena that lie outside normal experience…
Eines dieser Phänomene ist der Erfolg. Malcolm Gladwell geht ihm in seinem neuen Buch auf den Grund. Warum sind einige Menschen erfolgreich und andere nicht? Außergewöhnlicher persönlicher Erfolg wird meist als Resultat besonderer Begabung und Leistung gesehen. Doch das – so Gladwell – ist falsch. In welch hohem Maß persönlicher Erfolg vom individuellen sozialen Umfeld und mehr oder weniger zufälligen geschichtlichen Gegebenheiten abhängt, zeigte der Bestsellerautor aus den USA den rund 130 Gästen im Rotonda Business Club an vielen verblüffenden Beispielen.
Die Elemente, die unseren Erfolg viel mehr bestimmen als Talent oder eigene Leistung, so Gladwell, seien kulturelle Hintergründe, Beständigkeit und die Selektion durch die Gesellschaft. Ein genauer Blick auf die Liste der Nachwuchs-Eishockey-Mannschaft in Kanada zeige, zum Beispiel, so Gladwells verblüffende Erkenntnis, dass immer die ältesten Kinder für die Mannschaft auserwählt worden waren, nicht aber die besten. Mit dem Alter vebinde man automatisch Stärke und Überlegenheit und diese unbewusste Definition beeinflusse schließlich die Auswahl derjenigen, die durch die Aufnahme in die Nachwuchsmannschaft zukünftig besonders gefördert würden. Diese spezielle Förderung eben wiederum den Weg zu weiterem Erfolg. An die Spitze gelange also nur, wem sich dank glücklicher familiärer, gesellschaftlciher oder kultureller Umstände die Chance biete, seine Talente zu nutzen", schließt Gladwell aus seinen Beobachtungen.
Erfolg hat vor allem derjenige, der in der Position ist, so viele Vorteile wie möglich zu akkumulieren. Erfolg ist aber auch eine Frage der Beständigkeit, ergänzt Gladwell. Je länger man an einer Sache übe, desto besser werde man darin. Diese scheinbar simple Erkenntnis ist jedoch in einigen Kulturen stärker ausgeprägt und verankert als in anderen. Gladwell belegte seinem Publikium dies besonders anschaulich mit einem Exkurs in die Zeiten des Mittelalters und den unterschiedlichen Arbeits- und Lebensbedingungen von europäischen Weizenbauern und südostasiatischen Reisbauern. Während in Europa der Weizen nur während der einen Hälfte des Jahres gepflanzt und geerntet wurde, die andere Hälfte das Jahres also weniger Arbeit anstand, schufteten die asiatischen Reisbauern aufgrund 365 Tage im Jahr. Dieser Unterschied habe sich tief in das kulturelle Gedächtnis eingegraben und beeinflusse uns heute darin, wie beständig wir arbeiten bzw. wie beharrlich wir an einer Aufgabe bleiben. Hier seien die Asiaten aus kulturhistorischen Gründen im Vorteil, attestiert Galdwell.
Mit seinen Thesen demontiert Gladwell den amerikanischen Mythos vom self-made man. Er untermauerte dies noch mit einem Verweis auf die im Vergleich zu vielen Entwicklungsländern sehr geringe soziale aufwärts-Mobilität in den USA - für viele seiner deutschen wie amerikanischen Zuhörer eine erstaunliche Erkenntnis. Mit diesen und anderen überraschenden Geschichten und Fakten brachte Gladwell sein Publikum an diesem Abend zum Staunen, zum Lachen aber auch zum Grübeln.
In Kooperation mit dem Campus Verlag und der Rotonda International Lounge

