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05.12.2011 (19:00 - 21:00) · Düsseldorf · Industrie-Club

Dr. Peter M. Boehm

Vortrag & Diskussion

Düsseldorf: »The Canadian Way: Transatlantische Wirtschaftspolitik und neue Herausforderungen«


Am 5. Dezember 2011 konnte der Amerika Haus e.V. NRW in Kooperation mit der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft Dr. Peter M. Boehm, den kanadischen Botschafter in Deutschland, im Industrie-Club e.V. Düsseldorf begrüßen, um über die kanadische Sicht auf aktuelle transatlantische Herausforderungen in der Wirtschaftspolitik zu sprechen. Die Grußworte des Abends sprachen Marc Jan Eumann, Staatssekretär für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westphalen, und Jeane Freifrau von Oppenheim, Vorsitzende des Amerika Haus e.V. NRW.

„Mögest du in interessanten Zeiten leben“ zitierte Botschafter Boehm eingangs Konfuzius - ein Ziel, das wir angesichts der wirtschaftlich turbulenten Zeiten bereits erreicht hätten. Er betonte, dass es gegenwärtig vor allem eine vielseitige Krise des Vertrauens gäbe: Innerhalb der Regierungen, zwischen den Banken sowie zwischen Regierungen und ihrer Bevölkerung - bereits vier europäischen Regierungen seien im Zuge der Krise zerbrochen. Er mahnte allerdings, dass es keine große Einzellösung, sondern vielmehr eine schrittartige Annäherung an eine nachhaltige Lösung der Probleme geben werde. Die Aussichten für die Weltwirtschaft seien schlecht, und die wirtschaftliche Schwäche der USA und eine abflauende Nachfrage in den Schwellenländern würden die europäischen Schuldenkrise verstärken. Das Risiko einer Weltrezession sei auch für Kanada gefährlich, auch wenn das Land ein robustes Finanzsystem, einen stabilen Immobilienmarkt und die niedrigste Staatsverschuldung des G7-Kreises habe. Kanada habe sich nach der letzen Krise zwar rasch erholt, bleibe jedoch weiterhin anfällig. Aus kanadischer Sicht müsse das Krisenmanagement auch in der G20-Runde weiter fortgesetzt werden und dabei zugleich die Gefahr protektionistischer Tendenzen vermieden werden. Gerade die G20 hätten maßgeblich zur globalen Erholung beigetragen, sodass die in diesem Gremium beschlossenen Reformen auch weiterhin im Finanzsektor umgesetzt werden müssten.

Botschafter Boehm betonte die große Bedeutung der Beziehungen zwischen Kanada und der EU und hob die derzeitigen Verhandlungen über ein großes Handelsabkommen hervor. Nach dem wichtigsten Wirtschaftspartner Kanadas, den USA, läge die EU auf dem zweiten Platz, was den Handel und die Investitionen nach Kanada angehe. Umgekehrt sei Kanada für die gesamte EU der drittwichtigste Investitionspartner. Der Handelsvolumenzuwachs, den das Handelsabkommen für beide Partner bewirken würde, läge bei 20% und es wäre für Kanada nach dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) das zweitwichtigste Abkommen dieser Art.

Boehm sieht drei Säulen der kanadisch-europäischen, und damit in hohem Maße auch deutsch-kanadischen, Wirtschaftsbeziehungen: Handel, Investitionen und Innovation. Beide Länder seien Handelsnationen, die angesichts global verflochtener Märkte darauf angewiesen seien, Teil der Weltwirtschaft zu sein.  Neben Kanadas klassischen Exportgütern wie Holz seien auch viele Technologieprodukte getreten, die einen steigenden Anteil an der kanadischen Exportkraft einnehmen würden. Auch deutsche Exporte nach Kanada würden steigen, sodass vielfache Möglichkeiten zum Ausbau der Handelsbeziehungen vorhanden seien.  Neben der kanadischen Exportkraft seien ausländische Investitionen ein weiterer Grund für den wirtschaftlichen Erfolg nach der Krise -  allein über 450 deutsche Unternehmen hätten einen Sitz in Kanada. Etwa 100 kanadischen Unternehmen seien in Deutschland ansässig und zugleich habe Kanada 2008 in der gesamten EU Investitionen in Höhe von 92 Mrd. kanadischer Dollar getätigt. Für die Zukunft seien sowohl für Kanada als auch Deutschland Innovationen von herausragender Bedeutung, da sie als Hochlohnländer auf Technologie, Forschung und Entwicklung angewiesen seien.  Beide Nationen investierten über 2% ihres Bruttosozialprodukts in Forschung und Entwicklung, die gemeinsame Forschungszusammenarbeit nannte Botschafter Boehm „ ermutigend“ für die Zukunft. Gerade eben erst sei das 40-jährige Jubiläum der deutsch-kanadischen Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie begangen worden, Kooperationsfelder bestünden u.a. bereits in den Bereichen Energie, Umwelt, Gesundheit. Um das vorhandene Potential noch stärker als bisher zu nutzen, bedürfe es allerdings noch größeren Engagements der Privatwirtschaft. Es sei daher für beide Länder wichtig, „Cluster“ für die Stärkung einer technologiebasierten Wirtschaft zu bilden. Vor allem das angestrebte Freihandelsabkommen zwischen Deutschland und Kanada berge enormes Potential  für Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Boehm äußerte seine Hoffnung, dass verstärkter Handel, ein intensiverer Austausch zwischen deutschen und kanadischen Unternehmen sowie der Ausbau der Wissenschafts- und Forschungszusammenarbeit die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden „natürlichen Partnern“ in der Zukunft weiter stärken werden.

Im Anschluss an den Vortrag leitete Moderator PD Dr. Martin Thunert vom Heidelberg Center for American Studies eine anregende Diskussion zwischen dem Publikum und Botschafter Boehm. Nach einem Schlusswort von Dr. Ulrike Rausch von der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft ließen die zahlreich erschienenen Gäste den Abend bei einem vom kanadischen Konsulat ausgerichteten Empfang ausklingen.

Zusammenfassung: Stephan Liedtke, Amerika Haus e.V. NRW

 
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In Kooperation mit der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft e.V.

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Die Urheberrechte der folgenden Fotos liegen bei Verena Günther


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