02.09.2009 · Köln
Vortrag & Diskussion
»Israel. Über die Hintergründe des Konflikts«
Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Israel, Dr. Dr. h.c. Harald Kindermann, spricht über ein Land zwischen Jahrtausende alter Tradition und westlich geprägter Moderne, zwischen religiösem Fanatismus und Säkularisierung und zwischen allgegenwärtigem Krieg und der tiefen Sehnsucht nach Frieden. Auch wenn der Konflikt im Nahen Osten bereits über sechzig Jahren andauert, besteht doch immer wieder der Bedarf, die komplizierten und oftmals vielschichtigen Hintergründe dieser Auseinandersetzung ausführlicher zu erörtern.
Zu dieser Veranstaltung lud das Amerika Haus e.V. NRW in Kooperation mit Dr. Werner Hoyer, MdB und der FDP Köln ein.
Die Veranstaltung wurde eröffnet durch Grußwörter von Dr. Werner Hoyer von der FDP, Johannes Rosenboom von Microsoft und Eveline Metzen für das Amerika Haus.
Dr. Hoyer hob die Aktualität des Themas hervor, indem er auf den Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu in Deutschland verwies.Oft wurde die Frage gestellt, warum gerade das Amerika Haus bei dieser Veranstaltung über Israel miteinlud. Der Zusammenhang ist der, dass der Nahe Osten einer der außenpolitischen Schwerpunkte der Regierung Barack Obamas ist, zudem sind die USA stark mit Israel verbunden, da auch in den USA sehr viele Juden leben.
Dr. Dr. hc. Kindermann begann seinen Vortrag, indem er die wichtigsten Faktoren nannte, die den Konflikt beeinflussen.
Zunächst ist es so, dass der ehemals lokale Konflikt sich immer weiter ausdehnt, so dass jetzt nicht nur die Israelis und die Palästinenser betroffen sind, sondern auch Nachbarstaaten, wie zum Beispiel der Libanon, Syrien oder Iran.

"Denke global, handele lokal" sagt ein Spruch, der sehr gut auf die derzeitige Lage in Israel zutrifft. Während westliche Länder wie Deutschland oder die USA eher in einem globalen Feld nach einer Lösung suchen, handeln die beteiligten Länder, wie Israel oder Pakistan, eher lokal. Dies zeigt, wie widersprüchlich die Länder und Lösungsansätze doch sind.
Gerade der Siedlungsort spielt eine große Rolle in diesem Konflikt: Viele Israeliten leben in der West Bank, weil es in der Bibel steht, dies sehen sie als eine Art von Besitztitel.
Bei den Arabern ist es so, dass sie, wenn sie aus ihren Häusern vertrieben werden, das Haus verschließen und den Schlüssel mitnehmen, diesen aufbewahren und an Ihre Kinder weitervererben,obwohl sie das Haus schon längst verloren haben, dies bedeutet, dass sie trotzdem noch Stolz für ihr Haus empfinden, obwohl sie es unter Umständen schon längst nicht mehr besitzen.
Laut Dr. Dr. hc. Kindermann ist die Lösung des Konfliktes eigentlich relativ klar, dabei gelten folgende Prinzipien:
Die Waffenstillstandslinie in der Westbank ist heutzutage nicht mehr existent, es gibt große israelische Siedlungen, die dann auch in israelischer Hand bleiben würden, im Gegenzug dazu müssten andere israelische Gebiete an die Palästinenser gehen im Prinzip des Landtausches.
Bezüglich Jerusalem ist es so, dass es kein vereinigtes Jerusalem geben wird, der arabische Teil im Osten der Stadt wird wahrscheinlich abgeteilt und zur palästinensischen Hauptstadt erklärt.
Der Tempelberg, einer der heikelsten Faktoren im Konflikt - beherbergt er doch die Al Axa Moschee, die Klagemauer und die Grabeskirche Golgata - könnte unter die Verwaltung der Vereinten Nationen gestellt werden, die Souveränitätsfrage kann jedoch nicht schlussendlich geklärt werden. Eine andere Option wäre es, ein Gremium zusammenzustellen, in dem Vertreter aller Konfliktparteien vertreten sind, das dann gemeinsam den Tempelberg verwaltet.
Zudem sollten die palästinensischen Flüchtlinge zurückkehren dürfen. In den arabischen Staaten werden sie zwar formal als Brüder empfangen genommen, de facto leben sie in Flüchtlingslagern, sie bekommen humanitäre Hilfen, bleiben aber fremd in diesem Land. Daher gibt es ein starkes Bedürfnis wieder nach Israel zurückzukehren, dies ist jedoch bisher nicht möglich.
Die Ursache liegt darin, dass beide Konfliktparteien in der jeweiligen anderen Partei keinen verlässlichen Partner sehen, zudem haben sie kein Vertrauen in Verträge, weil sie die jeweiligen Partner für zu schwach halten, um die Verträge durchzusetzen.
Die Israelis haben kein Vertrauen in Abbas, er ist zwar Chef der Palästinenser hat aber keine Kontrolle über radikale Gruppen, wie etwa die Hamas.
Olmert, der vorherige Ministerpräsident, war in seinen Verhandlungen mit den Palästinensern schon weit, jedoch hatte auch er keine Kontrolle über die Israelis, da die Verhandlungen statt fanden, als er kein Ministerpräsident mehr war.
Abgesehen von dieser Problematik sind die führenden Personen der Friedensverhandlungen auf Wiederwahl angewiesen und da die Friedenspläne natürlich auch Rückschläge enthalten, ist es nicht einfach das Ansehen beim eigenen Volk zu erhalten. Zudem betrachten radikale Eifrer allein die Aufnahme von Friedensverhandlungen als Verrat, daher geht von diesen Gruppen eine große Gefahr aus.
Es bleibt jedoch erfreulicherweise festzustellen, dass der Wille zum Frieden immer dominanter wird, so dass eines Tages der Konflikt beendet werden kann.
Mit diesem hoffnungsvollen Gedanken beendete Herr Dr. Dr. hc Kindermann seinen Vortrag und beantwortete danach noch Fragen aus dem Publikum.
