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18.10.2011 · Dortmund · U-Turm

Geoff Kemp, Director of Regional Strategic Programs, The Nixon Center

Vortrag & Diskussion

Dortmund: »The Competition for Natural Resources: The New Geopolitical Great Game?«

 

 

 

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Der Amerika Haus e.V. NRW konnte am 18. Oktober 2011 in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Dortmund und Ernst & Young zwei Fellows der Transatlantic Academy in Washington, D.C. im Dortmunder U-Turm begrüßen. Geoff Kemp und Corey Johnson sind seit langem ausgewiesene Experten in geopolitischen Fragen und diskutierten die Möglichkeit einer künftiger Ressourcenkonkurrenz.

Geoff Kemp strich in seinem Eingangsvortrag heraus, dass das rasante Wachstum der Weltbevölkerung eine zentrale Herausforderung bei der künftigen Verteilung von Ressourcen sei. Die derzeitige Zahl von 7 Milliarden Menschen auf der Erde würde weiterhin zunehmen, während die Bevölkerungen der USA, Chinas und Europas altern und langfristig abnehmen würden. In den aufsteigenden Schwellenländern, vor allem in Asien, würde eine mit der Bevölkerungszahl wachsende Mittelschicht einen Lebensstandard nach westlichem Vorbild anstreben. Dieses Streben, auf Basis wachsenden wirtschaftlichen Wohlstands, würde enorme Mengen an Energie benötigen. Bei gleichzeitiger Knappheit der Ressourcen würde diese Entwicklung einen enormen Druck ausüben – die Nachfrage nach Ressourcen sei bereits jetzt enorm gestiegen.

Zu den Herausforderungen durch das weltweite Bevölkerungswachstum und die neue globale Wohlstandsverteilung zählt Kemp den Klimawandel als verstärkenden Faktor in der Konkurrenz um Ressourcen hinzu. Die Frage sei nicht mehr, ob es den Klimawandel gibt, sondern Wissenschaftler seien sich nur nicht über den Zeitpunkt einig, an dem seine Folgen eintreten würden. Diese Folgen würden in Form eines steigenden Meeresspiegels, extremer Wetterbedingungen und Unregelmäßigkeiten von Ernteerträgen sichtbar werden. Um sie zu verhindern, müsste der globale Ausstoß von Kohlenstoffdioxid gesenkt werden. Dies stehe jedoch diametral zur weltweiten Nachfrage nach Energie, die das Streben nach einer Erhöhung des Lebensstandards abbilde. Die Politik könne dem Klimawandel nur bedingt entgegen wirken, da sie kurzfristige Ziele besitze und eher auf raschen wirtschaftlichen Erfolg und eine geringe Arbeitslosigkeit abziele.

Kemp nannte drei Beispiele, die die Abhängigkeiten und Interdependenzen der globalisierten Welt – auch im Hinblick auf Ressourcen – verdeutlichen. Zum Ersten seien die Unruhen in der arabischen Welt nicht allein durch Unzufriedenheit mit den politischen Führungen, sondern in Ägypten und Tunesien auch durch gestiegene Lebensmittelpreise hervorgerufen worden. Diese Preissteigerungen seien auch die Folge der enormen Energienachfrage in anderen Teilen der Welt, vor allem in Indien und China. Aus der gestiegenen Nachfrage nach Energie könne man am Beispiel des „arabischen Frühlings“ erkennen, dass mit dem Anstieg von Lebensmittelpreisen, Bürgerkriegen und Flüchtlingsbewegungen auch ernsthafte sicherheitspolitische Herausforderungen erwachsen würden.

Als zweites Beispiel für die neuen Abhängigkeiten und das Gefahrenpotential, das sie beinhalten, nannte Kemp die Bedrohung der Malediven durch den Klimawandel. Angesichts des künftig steigenden Meeresspiegels würde die maledivische Regierung bereits jetzt die Umsiedlung ihrer Bevölkerung vorbereiten. Durch Einnahmen aus dem Tourismus werde für eine für die Zukunft anvisierte Umsiedlung der Bevölkerung gespart. Da die Bevölkerungszahl der Malediven gering sei, sei dies durchaus möglich. Das gleiche Problem gelte allerdings auch für Bangladesch, das mit 80 Millionen Einwohnern massive Probleme bei der Umsiedlung seiner Bevölkerung haben werde, zumal Indien bereits jetzt einen Zaun für die Abwehr von Flüchtlingen errichte.

Das dritte Beispiel für zukünftige Verschiebungen in der Ressourcenverteilung aufgrund neuer wirtschaftlicher Verhältnisse betrifft Öllieferungen aus dem Nahen Osten. 2006 ging der größte Anteil dieser Lieferungen nach Japan, China bezog vergleichsweise geringe Mengen. Bis 2030 werde sich dieses Verhältnis massiv verschoben haben, da Chinas Bedarf an Erdöl massiv ansteigen werde. Derzeit werde der chinesische Bedarf an Öl aus dem Nahen Osten vor allem durch Transporte über zentralasiatisches Land gedeckt. Kemp zufolge wird sich der Transport bis 2030 dagegen in erheblicher Weise auf globale Seewege verlagert haben. Die Sicherung dieser Seewege und die Verwundbarkeit großer ölabhängiger Nationen durch mögliche Unterbrechungen der Lieferungen würden immense strategische Konsequenzen haben. Um die Sicherheit der Öllieferungen, etwa nach Asien, zu gewährleisten, könnte sich ein strategischer Wettkampf und ein maritimer Rüstungswettstreit entwickeln. Während die USA ihre Militärkapazität aus finanziellen Gründen verringern müssten, rüste China derzeit maritim auf. Aus Sorge um eine denkbare chinesische Hegemonie seien viele Länder in Asien daher für einen Verbleib amerikanischer Truppen am Persischen Golf. Die geopolitischen Herausforderungen aufgrund der Verschiebung wirtschaftlicher Macht und eines erhöhten Energiebedarfs seien daher enorm.

Corey Johnson konzentrierte sich in seinem Vortrag vor allem auf die Energiesicherheit in Europa und Zentralasien. Die Kontroverse um die Nordstream-Pipeline, die maßgeblich durch den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf den Weg gebracht wurde, habe die Bedeutung von Ressourcenmärkten gezeigt. Märkte für Öl, Gas und andere Ressourcen seien wieder „geopolitisiert“ worden. Johnson bezweifelte jedoch, dass es zu einem „Great Game“, also einem globalen Ressourcenwettkampf zwischen den Großmächten kommen müsse. Die Knappheit von Ressourcen sei nicht das eigentliche Problem, sondern die Sicherung von Transportwegen auf denen diese Ressourcen befördert werden. Eine größere Gefahr ginge zudem von politisch motivierter Ressourcenknappheit aus, also der Angebotsverknappung von Ressourcen als politischem Instrument, wie es etwa Russland 2006 mit dem Stopp seiner Gaslieferungen an die Ukraine getan hatte. Johnson betonte, dass Deutschland sich zu Unrecht Sorgen über mögliche Unregelmäßigkeiten russischer Gaslieferungen mache, da Russland im Gegenzug auf die deutschen Zahlungen angewiesen sei. Viel eher müsste Moldawien derartige Lieferausfälle fürchten, da es vollständig von Gazprom abhängig sei und aufgrund des Transnistrienkonflikts zudem leicht von Russland erpressbar wäre. Ein großer Unterschied bestehe zwischen der geopolitischen Bedeutung von Öl und von Gas. Während Erdöl eine globale Ware und geopolitisch global brisant sei, seien Gasmärkte in hohem Maße regionalisiert. Erst in 20 bis 30 Jahren erwartet Johnson die Entwicklung eines globalen Gasmarktes.

Bis dahin, warnte er, dürfe ein globaler Ressourcenwettkampf nicht zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung werden. Auch die Annahmen, die der These eines Great Games zu Grunde liegen, seien problematisch, da sie nicht stichhaltig genug seien. Je mehr gegenseitige Abhängigkeiten es gäbe, desto weniger wahrscheinlich würde ein solches Szenario. Seiner Ansicht nach gäbe es kein „Great Game“ um Ressourcen, sondern vielmehr einen „Great Overlap“, da Ressourcen regional vorkämen. Persönlich äußerte er die Hoffnung, dass die globale Wirtschaft in der Zukunft sehr viel weniger auf den Verbrauch von Kohlenstoffdioxid angewiesen sei als bisher und mögliche Konflikte dadurch ohnehin entschärft würden.

Bei der anschließenden Fragerunde, die von Prof. Kirk Junker von der Universität zu Köln moderiert wurde, entspann sich eine rege Diskussion mit dem Publikum. Nach dem Schlusswort durch Christoph Spiekermann, Partner bei Ernst & Young, klang der Abend bei einem kleinen Buffet und angeregter Diskussion über den Dächern Dortmunds aus.


Amerika Haus e.V. NRW
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In Kooperation mit

Ernst & Youngtl_files/articles/programm/veranstaltungen/2011/WaDO_HP.jpg

Weiterführende Literatur:
Being Green Means Staying Clean, Thomas Legge (04.10.2011)

Bericht aus den Ruhr-Nachrichten vom 26.10.2011: Spannungen um Ressourcen

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