14.10.2009 · Bonn · Konzernzentrale der Deutschen Telekom
Transatlantic Roundtable
»One Year Later: The Global Economy and the Prospects of Recovery for the United States and Europe«
Ein Jahr nach dem Kollaps der Bank Lehman Brothers lieferte David A. Singer, Assistant Professor of Political Science am Massachusetts Institute of Technology in Boston, seine Bilanz zur internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise und analysierte die Aussichten für den Weg aus der Krise. Spezialisiert auf das Thema international political economy mit besonderem Schwerpunkt auf internationale Finanzmarktregulierung und den Einfluss des globalen Kapitalflusses auf politische Entscheidungsprozesse von Regierungen und internationalen Institutionen, nahm Singer vor allem die politischen Auswirkungen der Finanzkrise in den Blick.Nach David Singer hat das Zusammenkommen von verschiedenen Faktoren zu der jetzigen Krise geführt. Als ersten Grund nennt er das Ungleichgewicht des Kapitalflusses. Die aufstrebenden und ölexportierenden Länder haben hohe Sparquoten, dahingegen sind die Sparquoten in den USA sehr niedrig. Die USA importieren also deutlich mehr als das sie importieren und die Auszahlung der Kapitalerträge ist deutlich höher als die Einnahmen die die USA aus dem Ausland erhält. Die lockere Geldpolitik in den USA sei ein weiterer Grund für die Krise. Die US-Notenbank habe die Zinsen vor und nach der dot.com-Blase sehr niedrig gehalten.
Auch die Verbriefung, also die Schaffung von handelbaren Wertpapieren aus Krediten führte zu der Krise. Dabei sei die Verbriefung nicht grundlegend schlecht, allerdings bestehe die Gefahr, dass das Risiko unterschätzt werde, da die Risiken immer wieder weitergereicht und an Dritte abgegeben werden. Dies hat sich als besonders problematisch auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt erwiesen. Das Versagen der Regulierungsbehörden und die nicht vorhandenen Regulierung sind weitere Faktoren. Bedeutende finanzielle Aktivitäten sind so gut wie nicht reguliert gewesen. David Singer sagt, dass diese vier beschriebenen Faktoren das Zentrum für den Ausbruch der Krise sind.Im zweiten Teil seine Präsentation hat sich Singer mit der Regulierung der Finanzmärkte in besonderen in den USA beschäftigt. In den USA gibt es das am Meisten fragmentierte regulative System. Es gibt sehr viel Regulierungsbehörden und ebenso viele Löcher und Lücken in der Regulierung. Singer erwartet, dass aufgrund der Krise die regulierenden Strukturen verbessert werden, allerdings immer noch Platz zur Verbesserung bleiben würde. Dabei muss allerdings bedacht werden, dass die Obama Regierung zurzeit sehr stark an der Gesundheitsreform arbeitet und daher die Reform der Regulierung der Finanzmärkte ein wenig in den Hintergrund gerät.
Schließlich hat sich Singer mit den internationalen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise befasst. Ob die USA die Vorbildfunktion für neue Standards in der Finanzpolitik übernehmen werde, hängt von einigen Faktoren ab. Die ersten Schwierigkeiten stellen die schon erwähnte Fragmentierung der Regulierungsbehörden in den USA.
Darüber hinaus ist die Schaffung neuer internationaler Standards ein äußerst langwieriger Prozess. Dies Bedarf viel Arbeit, Fleiß und Kraft. Singer bezweifelt, dass die Behörden dazu im Moment fähig sind. Als nächsten Punkt nennt Singer die Entwicklung der G7 hin zu den G20 als Ort für internationale Kooperation. Diese Entwicklung zeigt die wirtschaftliche Bedeutung dieser Länder für das globale System und ist eine logische Entwicklung der letzten Jahre. Allerdings wird die Arbeit der G20 sehr schwer, da es zu wenig mehr als vagen Kompromissen kommen wird. So wird es auch durch die G20 kaum zu grundlegenden Änderungen in der Finanzwelt kommen.
Zum Ende seiner interessanten Präsentationen gibt David Singer einen positiven Ausblick für die Zukunft: Die Amerikaner beginnen endlich zu sparen, eine Lücken bei der Regulierung wurden bereits geschlossen, Eigenkapitalanforderumgen werden vorsichtiger, globale Regierung wird integrativer und ein weiter positiver Aspekt sei das gemeinsame Bemühen von Zentralbanken weltweit.
Moderation: Dr. Thomas Gutschker, Ressortleiter Außenpolitik, Rheinischer Merkur
In Kooperation mit dem DGAP Forum NRW, dem US-Generalkonsulat Düsseldorf und der Deutschen Telekom AG.


